In jedem folgenden Abschnitt finden Sie jeweils zwei Titel. Per Click auf die Titel gelangen Sie zu den jeweils korrespondierenden Texten.
Die ersten mit unmittelbarem Bezug zu meiner Vortragstätigkeit. Die zweiten zeigen wie und was der Mensch Andreas Sanders dahinter denkt.

  • Ich bin Sammler und Jäger. Von beidem etwas. Genetisch haben wir das ja alle noch in uns. Meine Jagd ist friedlich und wird heute eher Recherche genannt. Die Sammlernatur füllt den Schatz an Lebensgeschichten und sie kommt besonders beim Lernen durch.
    Eine Ausbildung war mir nicht genug. Ich bin Diplom-Geologe, außerdem aber auch Mechaniker und Tontechniker, und Weiterbildungen haben mich zum Journalismus, zur Fotografie und zur Arbeit als Kameramann gebracht.
    Als Geologe entlockte ich dem Gebirge, das Spitzbergen seinen Namen gibt, ein lange verborgenes Geheimnis seiner Entwicklungsgeschichte. Und nebenbei stellte ich fest, das Gebirge ist sogar so spitz, dass die besten Bergschuhe darin nur drei Monate halten.
    Als Projektkoordinator und Expeditionsleiter für das erste große Aufräumprojekt in der Antarktis habe ich drei Jahre fürs deutsche Polarinstitut gearbeitet. Anschließend war dieser Erfahrungsschatz gefragt, was mich frei arbeitend weitere Male ins Eis geführt hat. Anstrengende Jahre, in denen jede Stunde wertvoll war. Die Thematik habe ich mehrfach in Deutschland und Rußland in Ausstellungen gezeigt.
    Dann kam eine ganz besondere Expedition – ein ganzes Jahr lang – als Dokumentarfilmer und Mitglied der Russischen Antarktisexpedition zum Kältepol der Erde (-89,2°C). Mein anstrengendstes Jahr, Leben pur und extrem, mit tief verändernden Erfahrungen.
    Für einige Publikationen aus der großen GEO Familie habe ich geschrieben, fotografiert und geowissenschaftliche Hintergründe in Wort und Grafik aufbereitet. So kam es auch zu einer Expedition unter die Äquatorsonne, wo ich auf einem winzigen Atoll eine wundervolle Recherchezeit hatte. Nebenbei habe ich da herausgefunden, dass Sonnenschutzfaktor 50 ein Witz ist und fortan mit den Krebsen um die schönste Rotfärbung gewetteifert.
    Immer wieder gab es freiberufliche Intermezzi beim Westdeutschen Rundfunk. Als Kameramann und Techniker konnte ich jeden Tag andere Menschen kennenlernen, für die kurzen Zeiten der Dreharbeiten in ihre Leben schauen und viel lernen.
    Der ‚Polarvirus‘ in mir verlangte aber wieder nach Eis und so fand ich mich als Expeditionsführer und Vortragendem auf Expeditionsdampfern in Arktis und Antarktis wieder. Irgendwann habe ich aufgehört, die Fahrten zu zählen. Erst recht die Vorträge – es sind weit über zweihundert.

  • Aufgewachsen mit einer Mischung aus Wissenschaft, Technik und künstlerischer Kreativität, war meine Überzeugung lange Zeit: Was ich beobachte und noch nicht verstehe lässt sich auf dieser Basis erklären; wenn es die Erklärung noch nicht gibt, dann ist sie in Wissenschaft/Technik zu finden; wenn nicht, dann ist etwas an der Beobachtung falsch.
    Einfache Welt. Und nicht nur ein Gartenzaun, den ich da aufgestellt hatte, sondern eine ziemlich massive Burg, in der ich mich gut aufgehoben glaubte. Bis ich Dinge erlebt habe, die den Boden, auf dem ich Garten und Burg errichtet hatte, ganz einfach weggezogen haben. Ich hatte keinen Zweifel an meinen Beobachtungen. Beim Fallen ist meine Burg immer wieder heftig – in mir selbst – angeeckt und dabei zum Glück zerbrochen.
    Die Landung war überraschend und erfreulich weich – in einem viel größeren Garten, in dem ich mein Zelt aufschlug. Seitdem wächst dieser Garten. Immer dann wenn ich über den Zaun gesprungen bin und mich dann gewundert habe, dass da überhaupt einer steht. Der Zaun hat jetzt sehr große Lücken und die Reste sind klein geworden und stehen schon schief…
    Alles Gelernte in Wissenschaft, Technik, Kunst und darüber hinaus und alles was immer wieder neu dazukommt, ist heute nicht mehr Erklärung für die beobachtete Welt, sondern Energie, so eine Art Treibstoff, immer wieder ins Unbekannte aufzubrechen.

  • Die Erde ist so ein komplexes Gebilde, mehr und mehr davon zu verstehen wie sie funktioniert und was auf ihr passiert macht mein Leben zunehmend reicher.
    Aber wir wissen auch alle, dass zum Beispiel Klima und Wasser Themen sind, in denen es nicht so rosig aussieht. Da wird es um so wichtiger, das Geschehen zu verstehen.

    Ich erzähle von meiner Faszination für dieses "Ding" Erde, wie einzigartig sie ist und das es sich lohnt, sich damit zu beschäftigen, auch mit Blick auf die eigene Zukunft. Davon erzähle ich gerne auch in Form von Reise- und Lebensgeschichten. So kann ich Menschen mitnehmen auf Entdeckungstouren in Regionen, Themen und Dimensionen, in die sie alleine vielleicht nicht aufbrechen würden. So können wir gemeinsam beobachten – manchmal auch uns selbst – und Fragen stellen. Fragen führen in neue Welten. Das bisher Ungesehene kann Antworten geben. Mit denen können wir selbst neue Lebensgeschichten entwickeln und erfahren wie berauschend das manchmal sein kann.
    Darin liegt Lebenslust und die Erfahrung, dass wir selbst als Gestalter des Lebens unterwegs sind. Sich dessen bewusst zu werden, verbunden mit dem Wissen, dass wir stets als ein Teil im System Erde eingebunden und verbunden sind, was für eine unglaubliche Perspektive ergibt sich daraus.

  • Während meines Studiums habe ich manchmal noch gesagt, ich hätte gerne hundert oder hundertfünfzig Jahre früher gelebt, in der Zeit als Entdecker losgezogen sind, weiße Flecken auf den Landkarten zu füllen. Heute weiß ich, ich lebe genau in der "richtigen" Zeit.
    Früher während der großen Forschungsexpeditionen wurde Wissen in die Breite gemehrt, dann kamen viele Jahrzehnte, in denen vorwiegend nach verschiedenen Disziplinen getrennt das Wissen vertieft wurde. Heute leben wir in der ungeheuer spannenden Zeit, in der beides kombiniert wird. Die großen Entdeckungen werden beim Blicken über die Tellerränder gemacht. Die wissenschaftlichen Disziplinen rücken nahe beisammen, Grenzen verwischen und verschwinden. Gerade wenn man die Begrenzungen (Definitionen) der einzelnen Disziplinen überspringt – oder sogar einreißt – wird es besonders interessant. Manches Mal finde ich dann unvermittelt auch philosophische Fragen und Betrachtungen im Entdecker-Rucksack. Ich liebe es, mich da durchzuwühlen und weiterzudenken, Themen zu kombinieren und dabei neu aufkommenden Fragen nachzugehen und nach Antworten zu forschen. Manchmal wird das so intensiv, dass ich physisch spüren kann wie mein Gehirn arbeitet. Herrlich! Jedes umfassendere Verstehen komplexer Zusammenhänge wird zu einer Entdeckung.

  • Ganz einfach und kurz gesagt, ich will, dass die Spezies Mensch eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten hat. Das muss ich aber sicher ein bißchen erklären.
    Im Zuge der Evolution sind wir gekommen und werden wie die allermeisten Formen auch wieder verschwinden. Auf die Zeit des Verschwindens durch Eingriffe in die absoluten Lebensgrundlagen aktiv hinzuwirken, das halte ich jedoch für unnötig. Und um es klar zu sagen, die Frage ist nicht ob die Erde weiter existieren wird, sondern ob es eine Erde mit Menschen sein wird.
    Wir sind in einer Zeit angekommen, in der Menschen angefangen haben, ihre elementarsten Überlebensgrundlagen auf Basis der Menschenrechte von Regierungen und Wirtschaftskonglomeraten einzuklagen. Erstaunlicherweise ist das ein juristisch schwieriges Feld, aber erste Prozesse werden erfolgreich geführt. Das ist einerseits ein Entwicklungsstadium der Menschheit, das erschreckt. Muss wirklich erst die Klimaflüchtlingswelle rollen – dann sprechen wir nicht mehr von wenigen Millionen Flüchtlingen sondern von einer hohen dreistelligen Millionenzahl – dass sich daran etwas ändert? Andererseits finde ich es sehr hoffnungsvoll, dass es Menschen gibt, die sich wehren und Leben anders gestalten wollen. Davon brauchen wir viel mehr, um überlebensfähige Grundlagen zu bewahren oder sie erst sogar wiederherzustellen.
    Es braucht Wissen, Verstehen, wenigstens einen Überblick wie unser Lebensraum (das ganze System Erde) funktioniert und wie wir selbst damit verwoben sind, um mit unseren Fähigkeiten in verantwortungsbewusster Weise darin zu agieren.
    Ich möchte Sie mit unserem Heimatplaneten vertrauter machen, Sie in diesen Garten führen, und dass sie nach meinen Vorträgen und nach dem Klimaseminar lustvoll in ihr Leben springen, selber beobachten, gemeinsam entdecken und entscheiden wo es lang gehen soll.

  • Ganz persönlich fände ich es schön, 100 Jahre alt zu werden, geistige und körperliche Fitness vorausgesetzt. Wären die nicht gegeben, dann halte ich es eher mit einem Graffiti, das ich in Grönland gesehen habe: "Live fast and die young". Mit der bis 100 noch gegebenen Zeit hätte ich ausreichend Gelegenheit, zu beobachten, ob die Menschen insgesamt klug genug sein werden, zu erkennen, dass die gegenwärtig vorherrschenden Wertvorstellungen an dem Ast sägen auf dem sie sitzen. Da sehe ich die nächsten dreißig bis fünfzig Jahre nicht mehr nur als wegweisend sondern als entscheidend an. Warum ich das so sehe, darüber spreche ich unter anderem in meinem Klimavortrag. Auch bin ich gespannt, auf welche Weise die Erkenntnis Raum greifen wird, dass man Geld nicht essen, nicht trinken und nicht atmen kann. Insgesamt gesehen existiert bereits so viel davon und insbesondere angesichts der sehr ungleichen Verteilung müssten zumindest Einige um die schwere Verdaulichkeit monetärer Monokultur wissen. Bei vielen davon reicht es für diese Erkenntnis offenbar noch nicht. Manche jedoch setzen einen Teil des Geldes bereits zur Förderung gesellschaftlicher, umweltbezogener und auch wissenschaftlicher Visionen ein. Da bin ich gespannt, ob und auf welche Weise sich die Masse neue Führer mit solchem ganz anderen Fokus suchen wird. Offen gesagt hoffe ich in dem Zusammenhang, dass die Darstellung, Geschichte verlaufe zyklisch, sich nicht bewahrheitet, denn das würde heißen, der Wandel in den Wertvorstellungen käme unfriedlich daher.
    Ob mich das beunruhigt, werde ich hin und wieder gefragt. Nicht wirklich, denn ich sehe die Menschen nicht in der bewertet hervorgehobenen Position, wie viele sich glauben bzw. wie die vorherrschende kollektive Wahrnehmung ist. Ich sehe Menschen als eine Spezies in der Gemeinschaft der Lebewesen, oder als eine Form von Existenz wenn ich das Unbelebte miteinbeziehe, nicht mehr aber auch nicht weniger. Dass wir höchstwahrscheinlich die erste Spezies im Laufe der Evolution sind, die den eigenen überlebenswichtigen Grundlagen derart nachhaltig entgegenwirkt, das macht uns besonders. Sollten wir unseren Erfolg darin weiter exponentiell steigern, gehört es wahrscheinlich zu uns als Spezies, dass wir uns selbst abschaffen. Diese Sicht ist mitnichten ein Ausdruck von Pessimismus oder Resignation. Ich sehe nämlich eine weitere Besonderheit im Menschen, die ich nicht für einzigartig unter den Lebewesen aber für besonders ausgeprägt halte. Das ist die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. So ausgeprägt, dass wir nahezu immer eine Wahl haben. Wir können bewusst entscheiden, wo es lang gehen soll. Das macht es ja gerade so spannend, zu beobachten. Unsere Entscheidungen treffen wir auf Grund von Erfahrungen. Was dummerweise auch die Wiederholungen von leidvollen Erfahrungen sein können – vielleicht so eine Art Preis für diese Fähigkeit und damit gleichzeitig aber auch neue Möglichkeit zu Lernen, das heißt neue andere Erfahrungen zu machen.
    Uns stehen bei jeder Entscheidung also immer wieder alle Möglichkeiten offen. Ich habe die Hoffnung, dass in den auf Grund unserer bisherigen Entscheidungen enger werdenden Entscheidungsräumen, wir lernen solche Entscheidungen zu treffen, die unser Weiterexistieren als Spezies begünstigen werden. Ist doch ein schöner Ausblick.
    Und es ist ein Hintergrund, warum ich Wissen und meine Fähigkeiten in dem Sinne einsetzen und weitergeben will.

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